Bewerbungstrends 2025: Video, Take-Home, Pair-Programming Tests

Bewerbungstrends 2025: Video, Take-Home, Pair-Programming Tests

Innovative Wege im Auswahlprozess: Was 2025 auf Kandidaten zukommt

Der Bewerbungsprozess für IT-Spezialisten wandelt sich rasant. Während früher klassische Anschreiben und gedruckte Lebensläufe dominierten, setzen sich inzwischen dynamische, technologiegestützte Auswahlverfahren durch. Unternehmen legen zunehmend Wert darauf, praktische und authentische Eindrücke von den Fähigkeiten und dem Potenzial ihrer Bewerber zu gewinnen. Formate wie Video-Interviews, realitätsnahe Programmieraufgaben oder gemeinsames Pair-Programming mit Teammitgliedern treten an die Stelle klassischer Interviews oder ergänzen diese gezielt. Für Talente ergibt sich damit die Chance, sich abseits typischer Standardfragen zu präsentieren und fachliches Können direkt unter Beweis zu stellen – statt sich allein auf das rhetorische „Verkaufen“ im Gespräch verlassen zu müssen.

Im Wettbewerb um hochqualifizierte Fachkräfte gewinnt, wer aktuelle Entwicklungen kennt und die neuen Formate gezielt einsetzt. Die große Auswahl an innovativen Tools erfordert, das eigene Profil präzise auf die gewünschten Kompetenzen und die Kultur des Zielunternehmens abzustimmen. Gerade im IT-Bereich ist die Auswahl inzwischen vielfältig, von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Vertragsangebot kann der Prozess sehr unterschiedlich ablaufen.

Der folgende Artikel gibt Einblick in die wichtigsten Bewerbungstrends für 2025, beleuchtet Chancen wie auch typische Stolpersteine und stellt praxisnahe Empfehlungen für Bewerber und Unternehmen vor. Video-Bewerbungen, Take-Home-Aufgaben und Pair-Programming treten hierbei als zentrale Auswahlformate in den Fokus. Die Darstellung zeigt, wie beide Seiten mit diesen Methoden souverän und gewinnbringend umgehen können.

Video: Authentizität statt Kamera-Scheu – Bewerbung im Kurzclip

Zahlreiche Unternehmen setzen heute bereits in einer frühen Bewerbungsphase auf Video-Interviews oder bitten direkt um eine selbst aufgezeichnete Vorstellung. Ziel ist es, schnelle und unverfälschte Eindrücke zur Persönlichkeit, Ausdrucksfähigkeit und Kommunikationskompetenz zu gewinnen. Insbesondere für remote-orientierte Teams spielen solche Facetten eine zentrale Rolle: Wie klar und strukturiert kommuniziert ein Bewerber vor der Kamera? Kann er oder sie komplexe Sachverhalte prägnant erläutern? In internationalen Teams wird die sprachliche Flexibilität zum weiteren Selektionskriterium.

Mittlerweile ermöglichen spezialisierte Softwarelösungen zeitversetzte Video-Interviews. Kandidaten beantworten festgelegte Fragen im Self-Recording-Modus und bleiben dabei an ein striktes Zeitlimit pro Antwort gebunden. Das Besondere: Es gibt kein direktes Gegenüber, Rückfragen entfallen. Dadurch ist die Fähigkeit gefragt, strukturierte und dennoch authentische Beiträge prägnant zu formulieren.

Ein Praxisbeispiel: Ein IT-Startup fordert Bewerbende auf, sich innerhalb von zwei Minuten per Videoclip vorzustellen und drei Fragen zu beantworten: „Wer bist du? Welches technische Projekt hat dich am meisten begeistert? Was reizt dich an unserer Firma?“ Diese kurze Aufgabenstellung verlangt Klarheit, aber auch die Fähigkeit, einen interessanten Bogen zu spannen. Gute Vorbereitung, aber kein auswendig gelernter Monolog, sichert hier Pluspunkte. Eine stichpunktartige Skizze hilft dabei, das Wesentliche auf den Punkt zu bringen und dennoch natürlich zu bleiben.

Große Unternehmen wie SAP oder Zalando nutzen Lösungen wie HireVue oder easyrecrue, um Videobeiträge systematisch auszuwerten. Häufig kommen dabei KI-gestützte Analysen zum Einsatz, die Kommunikation, Motivation und Präsentation bewerten. Bewerberinnen und Bewerber profitieren, wenn sie vorab Probeaufnahmen anfertigen, um ihren Auftritt hinsichtlich Wirkung, Sprechtempo und Verständlichkeit einzuschätzen. Ein sorgfältiger Umgang mit Bildausschnitt, Ton und Licht hebt die Qualität des Ergebnisses deutlich an.

Für Unternehmen bieten Video-Assessments den Vorteil, eine größere Bewerberzahl zügig und vergleichbar einzuschätzen. Die Clips lassen sich im Team sichten und diskutieren, ohne aufwändige Terminabsprachen. Trotzdem ist Sensibilität gefragt: Nicht jede talentierte Entwicklerin oder jeder erfahrene Data Scientist agiert vor der Kamera souverän. Wer mit Video-Formaten arbeitet, sollte digitale Präsentationsfähigkeiten als ein Kriterium, nicht als das einzige Kriterium betrachten.

Take-Home Challenges: Praxisorientierte Aufgaben statt polierter Vita

Gerade in technischen Berufen hat sich das Take-Home Assignment als praxisbezogenes Auswahlkriterium etabliert. Anstatt auf theoretische Wissensabfragen zu setzen, stellen Unternehmen echte Herausforderungen – eine Coding-Challenge, das Entwerfen eines Datenbankmodells, die Implementierung eines Microservices oder das Debuggen bestehender Anwendungen. Ziel ist es, Herangehensweise, Lösungsweg und Codequalität im praktischen Kontext zu beurteilen.

Ein typischer Anwendungsfall: Für eine Position im Backend-Development erhält die Bewerberin eine API mit der Aufgabe, einen spezifischen Endpunkt zu realisieren. Es gibt ein Zeitfenster von drei Tagen sowie klare Vorgaben zum Technik-Stack und den Rahmenbedingungen (zum Beispiel: keine externen Libraries, Test-Abdeckung von mindestens 80 Prozent). Die Lösung wird per GitHub hochgeladen und sauber dokumentiert. Eine mögliche Umsetzung könnte etwa so aussehen:

app.post('/api/todo', (req, res) => {
  const { title, dueDate } = req.body;
  if(!title || !dueDate){
    return res.status(400).json({error: 'Missing required fields'});
  }
  // Save to DB logic...
  res.status(201).json({ message: 'TODO created'});
});

Take-Home-Aufgaben bieten verschiedene Vorteile. Bewerber können ohne Zeitdruck zeigen, wie sie Probleme analysieren, Lösungen recherchieren und eigenständig umsetzen – meist mit den Tools, mit denen sie tatsächlich arbeiten. Unternehmen erhalten Einblicke in Arbeitsstil, Strukturierung und Dokumentationsqualität und können deren Passung zu den eigenen Anforderungen differenziert einschätzen.

Einige Rahmenbedingungen haben sich dabei als hilfreich erwiesen: Eine transparente und realistische Aufgabenbeschreibung, effektive Kommunikation zum Zeitrahmen und sinnvolle Begrenzung des Umfangs. Für längere Aufgaben empfiehlt es sich, eine Aufwandsentschädigung zu zahlen oder zeitnah zu Rückmeldungen einzuladen. Bei innovativen Arbeitgebern ist es üblich, die Take-Home-Lösungen als Basis für ein weiteres Fachgespräch zu nutzen und dort Themen wie Architekturentscheidungen, Softwarequalität und Clean Code schlüssig zu vertiefen.

Pair-Programming im Auswahlprozess: Teamkompetenz sichtbar machen

Das Pair-Programming als Assessment-Format gewinnt kontinuierlich an Bedeutung. Besonders agile Entwicklungsteams legen Wert darauf, wie Kandidatinnen und Kandidaten im Zusammenspiel mit anderen agieren. In einem typischen Pairing-Setup bearbeitet der Bewerber gemeinsam mit einem Teammitglied in Echtzeit eine konkrete Aufgabe – meist remote, etwa in Tools wie Visual Studio Live Share, CodeSandbox oder in spezialisierten Coding-Interview-Plattformen wie CoderPad oder CodeInterview.io.

Im Fokus steht weniger das reine Faktenwissen, sondern Team-Kommunikation, Reflektionsfähigkeit und der kooperative Umgang mit Problemstellungen. Die klassische Abfrage abstrakter Algorithmen tritt in den Hintergrund. Beobachtet wird, wie Bewerber ihre Gedanken teilen, auf Rückmeldungen eingehen und Lösungsideen austauschen. Die Fähigkeit, konstruktives Feedback einzubeziehen, Unsicherheiten transparent zu machen und Teamsynergien herzustellen, hat deutlich an Gewicht gewonnen.

Ein praktischer Ablauf kann so aussehen: Beim Bewerbungsprozess für eine Frontend-Position steht eine 60-minütige Coding-Session an, in der gemeinsam ein responsives Menü entwickelt und die getroffenen Entscheidungen fortlaufend erläutert werden. Je nach Erfahrungslevel übernimmt der Senior aus dem Team die Rolle als Driver oder Navigator. Perfektion ist hier kein Maßstab – gefragt ist, wie gut sich Kandidaten auf eine neue Aufgabe einstellen und Zusammenarbeit aktiv gestalten.

Pair-Programming verlangt Umdenken, insbesondere von Softwareentwicklern, die selten im Team-Code schreiben. Wer seinen Denkweg explizit mitteilt, Rückfragen stellt und Unsicherheiten offen anspricht, signalisiert Bereitschaft zum Lernen und echtes Team-Interesse. Auch Unternehmen gewinnen an Transparenz: Noch vor der Einstellung lässt sich abschätzen, wie ein neues Teammitglied die bestehende Gruppe ergänzt.

Für eine gelungene Durchführung sind zuverlässige kollaborative Tools ratsam. Ein klar abgesteckter Aufgabenbereich und offene Kommunikation über Ziel und Ablauf schaffen Orientierung. Nach der Session empfiehlt es sich, das Feedback differenziert und wertschätzend zu gestalten. So bleibt die Erfahrung positiv und der Blick aufs gemeinsame Arbeiten im Mittelpunkt.

Best Practices und Empfehlungen: Für Unternehmen und IT-Fachkräfte

Für Bewerberinnen und Bewerber ist gezielte Vorbereitung entscheidend. Probeaufnahmen bei Video-Interviews, sorgfältige Dokumentation und das Einhalten von Clean Code-Prinzipien bei technischen Aufgaben zahlen sich aus. Beim Pair-Programming wird Teamwork sichtbar: Offene Kommunikation, Nachfragen und die Bereitschaft, voneinander zu lernen, wirken überzeugender als Einzelkämpfertum.

Unternehmen profitieren, wenn sie digitale Auswahlverfahren als Chance zur passgenauen Stellenbesetzung begreifen. Klare Aufgabenstellung, realistische Zeitrahmen und transparente Bewertungsmaßstäbe sind zeitgemäße Standards. Feedback sollte konstruktiv, respektvoll und individuell erfolgen – das stärkt die Arbeitgebermarke und hinterlässt auch bei Kandidaten, die nicht ausgewählt werden, einen positiven Eindruck.

Die aktuellen Bewerbungstrends bieten beiden Seiten die Möglichkeit, technische Kompetenz und persönliche Eigenschaften im Prozess sichtbar zu machen. Besonders IT-Talente sollten sich mit neuen Auswahlverfahren auseinandersetzen und gezielt an digitalen Skills für Video, Take-Home oder Pair-Programming arbeiten. Wer digitale Methoden authentisch für sich nutzt, erhöht die Chancen im Auswahlverfahren deutlich.

Ausblick:

Der Wandel des Bewerbungsprozesses setzt sich auch 2025 fort. Digitale, praxisnahe Formate und interaktive Elemente werden fester Bestandteil im Recruiting für Tech-Positionen. Kandidaten, die sich gezielt auf neue Assessment-Methoden einstellen und ihre Präsentations-, Fach- sowie Teamkompetenz regelmäßig schärfen, sichern sich klare Vorteile. Unternehmen, die neben den fachlichen Anforderungen die Passung zur Teamstruktur und Soft Skills berücksichtigen, gewinnen an Attraktivität im Markt. Mit der zunehmenden Integration von KI-Tools, immersiven Interviewformaten und flexiblen Onboarding-Optionen steigt der Anspruch an beide Seiten – der Dialog um Talent und Kompetenz wird dadurch kontinuierlich spannender und vielseitiger.