Event-Driven Architektur 2025: Kafka, Pulsar, NATS im Vergleich

Event-Driven Architektur 2025: Kafka, Pulsar, NATS im Vergleich

Architekturen im Wandel: Die Bedeutung von Event Driven Systemen

Unternehmen, die ihre IT-Landschaft modernisieren, greifen zunehmend auf Event Driven Architekturen zurück. Statt starrer monolithischer Strukturen bestimmen heute flexible, lose gekoppelte Systeme das Bild. In diesen Umgebungen reagieren einzelne Services fortlaufend und asynchron auf eintreffende Ereignisse – und erlauben damit eine hohe Skalierbarkeit sowie eine robuste Fehlerbehandlung. Der Wunsch, zeitnah auf veränderte Daten und Geschäftsprozesse zu reagieren, prägt viele Branchen: Ob Finanzsektor, E-Commerce, IoT-Plattformen oder analytische Datenpipelines – überall wächst die Nachfrage nach Echtzeitfähigkeit. In solchen Szenarien treten spezialisierte Plattformen wie Apache Kafka, Apache Pulsar und NATS in den Vordergrund. Ihre Lösungswege, Stärkenprofile und Einsatzempfehlungen unterscheiden sich zum Teil erheblich.

Grundlagen von Event Driven Architekturen

Das Prinzip der Event Driven Architektur beruht darauf, dass Anwendungen über Events – also Nachrichten, die Zustandsveränderungen beschreiben – miteinander interagieren. Wer ein Event erzeugt, muss nicht wissen, welcher Dienst es verarbeitet. Diese entkoppelte, in der Regel asynchrone Kommunikation ermöglicht unabhängiges Skalieren der jeweiligen Komponenten. Wo früher klassisches Request/Response-Mustering dominierte, führt dieses Modell zu widerstandsfähigeren und anpassungsfähigeren Systemen. Eine beispielhafte Situation: Ein Warenkorb-Service sendet ein "checkout"-Event; daraufhin reagieren Payment-Processing, Lagerverwaltung und andere Systeme, unabhängig voneinander und in eigenem Takt. Das Ergebnis: Systeme, die verzögerungsarm arbeiten, Fehlerszenarien verkraften und die Grundlage für reaktive Microservices liefern.

Apache Kafka: Der De-Facto-Standard für Streaming

Als verteilte Streaming-Plattform ist Apache Kafka vielfach zum Synonym für Eventverarbeitung geworden. Ursprünglich bei LinkedIn entwickelt und inzwischen Open Source bei der Apache Foundation, speichert Kafka Nachrichten in sogenannten Topics, die mehreren Konsumenten parallel und in exakter Reihenfolge zur Verfügung stehen. Charakteristisch sind der hohe Datendurchsatz und die "At Least Once"-Liefergarantie. Besonders Unternehmen mit hohen Datenaufkommen profitieren von der Stabilität und einem umfangreichen Ökosystem – darunter Kafka Connect zur Integration externer Systeme, Schema Registry für Datenvalidierung und leistungsfähige Stream-Processing-Tools wie KSQL oder Kafka Streams.
Ein typischer Anwendungsbereich: Finanzdienstleister oder E-Commerce-Plattformen, die Millionen von Events pro Sekunde analysieren oder Transaktionen überwachen. Die Möglichkeit, Daten dauerhaft zu speichern, unterstützt zudem die Nachvollziehbarkeit vergangener Systemzustände. Softwarearchitekten sollten frühzeitig Konzepte zu Themen wie Event-Speicherung, Partitionierung und Replikation ausarbeiten. Ein einfaches Codebeispiel zum Senden einer Nachricht mit Python:

from kafka import KafkaProducer
producer = KafkaProducer(bootstrap_servers='localhost:9092')
data = b'Meine Event-Message'
producer.send('events', data)
producer.flush()
Für Szenarien mit hohen Performance-Anforderungen, zahlreichen Konsumenten und dem Bedarf an mächtigen Integrationsmöglichkeiten bietet Kafka eine ausgereifte Lösung.

Apache Pulsar: Multitenancy trifft Flexibilität

Während Kafka weithin etabliert ist, verfolgt Apache Pulsar einen anderen technischen Ansatz. Pulsar trennt konsequent zwischen Broker und Speicherschicht – ein Architekturprinzip, das sich insbesondere bei komplexen, global verteilten Systemen bewährt. Die Plattform erlaubt feingranulare Steuerung durch Partitionen, Subscriptions und multitenant-fähige Namespaces. Pulsar punktet mit nativer Unterstützung für Geo-Replikation, Multitenancy und flexible Delivery-Modelle.
Ein Anwendungsszenario: Ein multinationales Unternehmen möchte verschiedene Tochtergesellschaften sicher und voneinander isoliert auf einer Messaging-Plattform betreiben. Pulsar erleichtert diese Anforderungen mit klar abgrenzbaren Namespaces und unterschiedlichen Subscription-Typen, wodurch sich Zuständigkeiten und Datenflüsse präzise steuern lassen. Die Einbindung erfolgt beispielsweise mit dem offiziellen Python-Client:

import pulsar
client = pulsar.Client('pulsar://localhost:6650')
producer = client.create_producer('persistent://tenant/ns/topic')
producer.send(('Mein Event').encode('utf-8'))
client.close()
Auch technisch überzeugt Pulsar durch native Unterstützung verschiedener Kommunikationsmuster und zuverlässige Performance – selbst über mehrere Standorte hinweg.

NATS: Geschwindigkeit und Minimalismus für Cloudnative

Mit einem besonders schlanken Ansatz spricht NATS vor allem Cloud-native Infrastrukturen und Entwickler an, die Wert auf Einfachheit und Geschwindigkeit legen. Die Implementierung besteht aus nur einem Binärfile, lässt sich sekundenschnell starten und benötigt minimale Systemressourcen. Seine Leistung entfaltet NATS insbesondere in Umgebungen mit sehr hoher Nachrichtenfrequenz und geringster Latenz, wie etwa bei Sensordatenverarbeitung, Edge-Architekturen oder verteilten Microservices-Landschaften.
Das Kommunikationsprotokoll bietet sowohl Publish/Subscribe- als auch Queueing-Mechanismen und unterstützt Streaming über die JetStream-Komponente. NATS bildet automatisch Cluster und bleibt dabei ressourcenschonend. Ein Beispiel für das Publizieren einer Nachricht mittels Python:

import asyncio
from nats.aio.client import Client as NATS
async def run():
  nc = NATS()
  await nc.connect(servers=["nats://127.0.0.1:4222"])
  await nc.publish("events", b"Beispiel-Event")
  await nc.drain()
asyncio.run(run())
Überall dort, wo niedriger Ressourcenverbrauch, kurze Latenz und eine enge Verzahnung mit Cloud-Umgebungen gefragt sind, eröffnet NATS praktikable Lösungswege.

Anwendungsfälle und Szenarien: Welches System passt wann?

Die Wahl des passenden Event-Brokers orientiert sich maßgeblich an den individuellen Anforderungen und Gegebenheiten im Betrieb. Für große Monitoring- und Datenintegrationplattformen, massive Logverarbeitung oder den Finanzbereich empfiehlt sich Kafka, da Langzeitaufbewahrung, hoher Durchsatz und flexible Verarbeitungsketten unterstützt werden. Pulsar kommt zum Zug, wenn Mandantenfähigkeit, dezentrale Organisation sowie internationale Standorte im Vordergrund stehen – also häufig bei SaaS-Lösungen oder Unternehmen mit global verteilter IT. NATS empfiehlt sich wiederum dort, wo Ressourcen knapp und Geschwindigkeit kritisch sind, beispielsweise bei IoT-Systemen, Edge Computing oder stark skalierenden Microservices-Implementierungen. Oft profitieren Organisationen durch den parallelen Einsatz mehrerer Systeme, um verschiedene Anforderungen gezielt abzudecken.

Technische Unterschiede und Herausforderungen

Die technischen Grundlagen der Plattformen unterscheiden sich teils deutlich. Kafka speichert Events grundsätzlich persistent auf Datenträgern, segmentiert über Partitionen und setzt bei der Verwaltung auf ein separates Zookeeper-Cluster (Stand 2024: Umstieg auf KRaft zunehmend verbreitet). Das erhöht den Aufwand im Betrieb, eröffnet aber umfassende Steuerungsmöglichkeiten. Pulsar implementiert eine explizite Trennung von Storage und Broker und integriert Apache BookKeeper für ausfallsichere Event-Ablage. NATS hingegen benötigt fast keine Zusatzinfrastruktur und verzichtet bis auf JetStream auf langfristige Speicherung von Events. Unterschiede ergeben sich in Fragen der Speicherfristen, Zustellgarantien ("At Most", "At Least", "Exactly Once"), verfügbaren APIs und Sprachbindungen – Faktoren, die den Integrationsaufwand und das Zusammenspiel mit anderen Systemen bestimmen.
Der laufende Betrieb bringt zusätzliche Herausforderungen mit sich: Die Pflege von Updates, Überwachungslösungen und Sicherheitskonzepten variiert zwischen den Plattformen erheblich. Während Kafka und Pulsar für umfangreiche technologische Ökosysteme ausgelegt sind, bevorzugen Teams mit Bedarf an einem schnellen Einstieg oft NATS. Am Ende entscheidet nicht nur die Technologie, sondern auch die Fähigkeit, Events sicher, nachvollziehbar und effizient zu verarbeiten – regelmäßige Evaluationen der gewählten Lösung inklusive.

Best Practices für das Design von Event Driven Systemen

Technologiewahl allein genügt nicht – auch die Modellierung und Gestaltung von Events prägt den Erfolg eines Systems maßgeblich. Gut definierte Events besitzen eine klare Semantik, sind versionierbar und konsistent dokumentiert. Aspekte wie Idempotenz, Deduplikation sowie das Handling fehlgeschlagener Zustellungen (Stichwort Dead-Letter-Mechanismen) sollten schon in der Entwurfsphase Berücksichtigung finden. Thema Schema-Evolution: Typensichere Serialisierungsformate wie Apache Avro oder Protobuf erleichtern sauberen Datenaustausch und Migrationen.
Überwachung und Transparenz bleiben zentrale Aufgaben. So bieten Kafka (JMX, Prometheus), Pulsar (Cluster- und Topic-Metriken) und NATS (eingebauter Monitoring-Server) vielfältige Methoden, die Systemgesundheit zu erfassen. Wer vorausschauend agiert, setzt auf Infrastructure-as-Code, durchdachte Speicher- und Partitionierungsstrategien sowie stringente Security (Verschlüsselung, Authentifizierung, Zugriffssteuerung). In hybriden IT-Landschaften empfiehlt sich eine konsistente Benennung und Verwaltung von Events etwa durch Event Registries oder klare Topic-Standards.

Migration und Integration – Stolpersteine und Lösungen

Der Wechsel oder die Integration verschiedener Event-Streaming-Plattformen stellt Unternehmen häufig vor technische, organisatorische und prozessuale Herausforderungen. Dank fortschrittlicher Konnektoren und Kompatibilitätsmodi ist beispielsweise die Migration zwischen Kafka und Pulsar heute deutlich weniger aufwendig. Viele Teams nutzen hybride Architekturen, etwa um Events zwischen Pulsar und Kafka bidirektional zu replizieren oder Pulsar für Echtzeit-Verarbeitung und Kafka für Langzeitarchivierung zusammenzuschalten. Der stabile Betrieb solcher Bridges – beispielsweise mit Pulsar-Kafka-Connector oder mittels NATS JetStream – erfordert detaillierte Planung hinsichtlich Datenvolumen, Fehlermanagement und Monitoring.
Für reibungslose Migrationen empfiehlt sich das schrittweise Vorgehen: Parallelbetrieb, gezielte Umschaltungen und umfassende Testverfahren verringern Risiken. Feature-Flags, Shadow-Traffic und systematische Event-Validierung sichern dabei Betrieb und Weiterentwicklung ab. Eine frühzeitige Anpassung der Produzenten und Konsumenten auf einheitliche Event-Formate und ein konsistentes Monitoring erleichtert die Umstellung zusätzlich.

Fazit und Ausblick: Zukunft der Event Driven Architektur

Event Driven Systeme haben sich bis 2025 als durchgängiges Muster für verteilte, flexible IT-Lösungen etabliert. Plattformen wie Kafka, Pulsar und NATS adressieren dabei unterschiedliche Einsatzbereiche und Arbeitsanforderungen. Eine nachhaltige Architektur entsteht jedoch nicht allein durch die Wahl der Software, sondern durch konsistente Event-Definitionen, skalierbare Infrastruktur, leistungsfähiges Monitoring und eine hohe Automatisierungstiefe.
Die Grenzen zwischen Streaming, Messaging und Queueing werden zunehmend fließender. Moderne Architekturen entstehen aus der Kombination passgenauer Werkzeuge – von Eventing im Rechenzentrum bis zu Analysemöglichkeiten am Netzwerkrand. Wer eigene Anforderungen präzise kennt, technologische Entwicklungen kontinuierlich verfolgt und auf Integrationsfähigkeit achtet, ist in der Lage, von der Vielfalt und Dynamik moderner Event Driven Systeme nachhaltig zu profitieren.