IT-Umschulung für Quereinsteiger: Wege, Dauer und Förderung

IT-Umschulung für Quereinsteiger: Wege, Dauer und Förderung

Eine IT-Umschulung führt in der Regel in 24 Monaten zu einem IHK-Abschluss, meist als Fachinformatiker für Systemintegration oder Anwendungsentwicklung. Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter kann die Kosten über einen Bildungsgutschein übernehmen, wenn die Umschulung für deine berufliche Eingliederung notwendig ist und du vorher beraten wurdest.

Das Wichtigste in Kürze: Kläre die Förderung vor dem Start der Umschulung. Ohne vorherige Beratung durch die Agentur für Arbeit werden die Kosten in der Regel nicht übernommen.

Für wen ist dieser Ratgeber? Menschen, die über eine Umschulung in die IT wechseln möchten – etwa nach Arbeitslosigkeit, aus gesundheitlichen Gründen oder weil der bisherige Beruf keine Perspektive mehr bietet.

Welche IT-Umschulungen gibt es?

IT-Berufe für die Umschulung

BerufSchwerpunktTypische Stellen danach
Fachinformatiker SystemintegrationServer, Netzwerke, Clients, SupportIT-Administrator, Systemadministrator, IT-Support
Fachinformatiker AnwendungsentwicklungProgrammierung, Datenbanken, SoftwaredesignJunior-Softwareentwickler, Anwendungsentwickler
Fachinformatiker Daten- und ProzessanalyseDaten, Prozesse, AuswertungenData Analyst, Prozessanalyst
Fachinformatiker Digitale VernetzungVernetzte Systeme, IoT, NetzwerktechnikNetzwerktechniker, IoT-Spezialist
Kaufmann/-frau für IT-System-ManagementVertrieb, Beratung, IT-BeschaffungIT-Vertrieb, IT-Einkauf, Account Management

Am häufigsten gesucht werden nach der Umschulung Fachinformatiker für Systemintegration und für Anwendungsentwicklung. Wer gern mit Technik und Menschen arbeitet, findet über die Systemintegration oft schnell eine Stelle im Support oder in der Administration.

Wie lange dauert eine IT-Umschulung?

Eine Umschulung ist gegenüber der regulären Ausbildung verkürzt. Für die Förderung durch die Agentur für Arbeit muss sie in der Regel um mindestens ein Drittel kürzer sein als die entsprechende Ausbildung (§ 180 SGB III). Bei einer dreijährigen Ausbildung wie dem Fachinformatiker ergibt das meist 24 Monate. Darin enthalten ist ein betriebliches Praktikum, das häufig mehrere Monate dauert.

Wer bezahlt die Umschulung?

Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter kann die Weiterbildungskosten übernehmen (§ 81 SGB III). Dafür gelten im Kern drei Voraussetzungen:

  1. Die Umschulung ist notwendig, um dich bei Arbeitslosigkeit beruflich einzugliedern oder eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden.
  2. Die Agentur für Arbeit hat dich vor Beginn der Maßnahme beraten.
  3. Die Maßnahme und der Träger sind für die Förderung zugelassen.

Liegt alles vor, erhältst du einen Bildungsgutschein, den du bei einem zugelassenen Bildungsträger einlöst. Weitere mögliche Kostenträger sind die Deutsche Rentenversicherung, etwa wenn du deinen bisherigen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kannst, oder die Berufsgenossenschaft nach einem Arbeitsunfall.

Alternative: Externenprüfung

Wer schon länger in der IT arbeitet, kann den Abschluss auch ohne Umschulung erreichen. Nach § 45 Abs. 2 BBiG wird zur Abschlussprüfung zugelassen, wer mindestens das Eineinhalbfache der Ausbildungszeit in dem Beruf tätig war – beim Fachinformatiker also viereinhalb Jahre. Die Prüfung legst du dann als externer Prüfling bei der IHK ab.

Tipps für eine erfolgreiche Umschulung

  • Bildungsträger vergleichen: Achte auf Praktikumsvermittlung, Prüfungsquoten und die Ausstattung.
  • Praktikum klug wählen: Der Praktikumsbetrieb wird oft zum ersten Arbeitgeber.
  • Früh Projekte zeigen: Eigene Projekte und kleine Zertifikate stärken die Bewerbung schon während der Umschulung.
  • Vorwissen einbringen: Erfahrung aus dem bisherigen Beruf ist für viele Arbeitgeber ein Pluspunkt.

Ablauf der Umschulung Schritt für Schritt

  1. Beratung: Termin bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter vereinbaren und den Wunsch nach einer IT-Umschulung begründen.
  2. Eignung klären: Häufig gibt es einen Eignungstest oder ein Gespräch beim Bildungsträger.
  3. Bildungsträger wählen: zugelassene Träger vergleichen, Unterrichtsform (Präsenz oder online) und Praktikumsvermittlung prüfen.
  4. Bildungsgutschein: Gutschein erhalten und beim gewählten Träger einlösen.
  5. Unterricht und Praktikum: Theorie beim Träger, Praxis im Betrieb.
  6. Prüfung: Die Abschlussprüfung findet bei der IHK statt, beim Fachinformatiker in zwei Teilen.

Finanzielle Unterstützung während der Umschulung

Neben den Lehrgangskosten gibt es weitere Leistungen, die die Umschulung finanziell tragbar machen:

Leistungen während einer geförderten Umschulung

LeistungWofürRechtsgrundlage
Übernahme der WeiterbildungskostenLehrgangskosten, Fahrkosten, auswärtige Unterbringung und Kinderbetreuung§§ 81, 83 SGB III
Arbeitslosengeld bei beruflicher WeiterbildungLebensunterhalt während der Maßnahme§ 136 und § 144 SGB III
Weiterbildungsprämie1.000 € nach Teil 1 der Abschlussprüfung, 1.500 € nach bestandener Abschlussprüfung§ 87a Abs. 1 SGB III
Weiterbildungsgeld150 € monatlich zusätzlich für Arbeitslose bei abschlussorientierter Weiterbildung§ 87a Abs. 2 SGB III

Ob und in welcher Höhe du die Leistungen erhältst, hängt von deiner Situation ab. Kläre die Details im Beratungsgespräch, bevor du dich für einen Träger entscheidest.

Gehalt nach der Umschulung

Nach der Umschulung startest du meist in einer Junior-Rolle. Die Jobriver-Stellenanzeigen geben eine Orientierung, was dich erwartet:

Einstiegsgehälter laut Stellenanzeigen

StellengruppeAnzeigen mit GehaltMedian
Fachinformatiker (ausgelernt)38rund 43.500 €
IT-Support108rund 46.500 €
Junior-Administration62rund 42.500 €
Junior-Softwareentwicklung81rund 49.400 €

Mit wachsender Erfahrung steigen die Gehälter deutlich – im Gehaltsvergleich findest du die Werte für Systemadministratoren und IT-Support.

Umschulung in Teilzeit oder online

Viele Bildungsträger bieten Umschulungen auch online mit festen Unterrichtszeiten an. Das spart Fahrtwege, verlangt aber Selbstdisziplin. Teilzeitmodelle sind seltener und verlängern die Dauer. Frag den Träger, ob Teilzeit möglich ist und wie sich das auf die Förderung auswirkt.

Ist eine IT-Umschulung das Richtige für mich?

Eine Umschulung lohnt sich besonders, wenn du einen anerkannten Abschluss brauchst – etwa für den öffentlichen Dienst oder größere Unternehmen – und zwei Jahre Zeit investieren kannst. Wer schon programmiert und schnell in den Job möchte, prüft zusätzlich Bootcamps oder den direkten Einstieg in Quereinsteiger-Stellen. Einen Überblick über alle Wege gibt der Ratgeber Quereinstieg in die IT.

Wie die Prüfung zum Fachinformatiker abläuft

Die Abschlussprüfung zum Fachinformatiker ist als gestreckte Prüfung in zwei Teile aufgeteilt. Teil 1 findet etwa zur Hälfte der Ausbildungszeit statt und prüft Grundlagen, die für alle Fachrichtungen gleich sind, etwa das Einrichten eines IT-gestützten Arbeitsplatzes. Teil 2 folgt am Ende und umfasst eine betriebliche Projektarbeit mit Dokumentation und Präsentation sowie schriftliche Prüfungen zur jeweiligen Fachrichtung. Nach Teil 1 erhältst du bei einer geförderten Umschulung die erste Weiterbildungsprämie.

Umschulung mit 40 oder 50

Für eine IT-Umschulung gibt es keine Altersgrenze. Teilnehmende in den Dreißigern, Vierzigern oder Fünfzigern sind keine Seltenheit und bringen Berufserfahrung aus anderen Bereichen mit. Gerade diese Erfahrung – etwa im Umgang mit Kunden, Prozessen oder Teams – ist im IT-Support, in der Administration oder in der Projektarbeit ein Vorteil. Wichtig ist, die Belastung realistisch einzuschätzen: Zwei Jahre Vollzeit-Lernen und Praktikum erfordern Durchhaltevermögen.

So bereitest du das Beratungsgespräch vor

  • Begründe, warum die IT-Umschulung deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessert – etwa mit Stellenanzeigen aus deiner Region.
  • Bringe Lebenslauf und Zeugnisse mit.
  • Recherchiere vorab zugelassene Bildungsträger und deren Angebote.
  • Frage nach Eignungstest, Beginnterminen und den Leistungen während der Maßnahme.

Aktuelle Stellen für ausgelernte Fachinformatiker findest du unter Fachinformatiker Jobs – sie eignen sich gut, um im Gespräch den Bedarf in deiner Region zu zeigen.

Checkliste

  • Passende Fachrichtung wählen: Systemintegration, Anwendungsentwicklung oder andere.
  • Beratungstermin bei Agentur für Arbeit oder Jobcenter vor dem Start vereinbaren.
  • Zugelassene Bildungsträger vergleichen.
  • Bildungsgutschein beantragen und einlösen.
  • Praktikumsbetrieb gezielt auswählen.
  • Während der Umschulung eigene Projekte und Nachweise sammeln.

Arbeitsmarkt & passende Jobs

Nach der Umschulung findest du passende Stellen unter Fachinformatiker Jobs, IT-Administrator Jobs, IT-Support Jobs und IT Quereinsteiger Jobs. Wer in die Entwicklung möchte, liest weiter im Ratgeber Quereinstieg als Softwareentwickler.

Mit Hilfe von KI erstellt.

Häufige Fragen

In der Regel 24 Monate inklusive Praktikum. Die Umschulung ist damit um ein Drittel kürzer als die dreijährige Ausbildung.

Unter bestimmten Voraussetzungen ja, über einen Bildungsgutschein nach § 81 SGB III. Wichtig ist die Beratung durch die Agentur für Arbeit vor Beginn der Maßnahme.

Fachinformatiker für Systemintegration und für Anwendungsentwicklung werden besonders häufig gesucht. Die Systemintegration führt oft schnell zu Stellen in Support und Administration.

Ja, über die Externenprüfung nach § 45 Abs. 2 BBiG, wenn du mindestens das Eineinhalbfache der Ausbildungszeit im Beruf tätig warst.

Bei einer geförderten Umschulung kannst du Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung erhalten. Arbeitslose bekommen zusätzlich 150 € Weiterbildungsgeld im Monat.

Ja. Nach § 87a SGB III gibt es 1.000 € nach Teil 1 der Abschlussprüfung und 1.500 € nach bestandener Abschlussprüfung.

Laut Jobriver-Stellenanzeigen liegt der Median für ausgelernte Fachinformatiker bei rund 43.500 €, im IT-Support bei rund 46.500 €.

Nein. Auch mit 40 oder 50 ist eine Umschulung möglich. Entscheidend sind Eignung, Motivation und die Aussicht auf eine Stelle.

Quellen